KCM e.V. – seit 1985 in Münster

KCM – wofür steht das eigentlich?
Das KCM wurde 1985 als Kommunikations Centrum Münsterland e. V. gegründet.
Der Name, der so gar nichts zum Hintergrund verrät, sollte bewusst allgemein klingen und so Schutz bieten für die Menschen, die sich im KCM bewegten.
Das KCM in Münster
- ist ein gemeinnützig anerkannter, eingetragener Verein mit mehr als 100 Mitgliedern und einem derzeit dreiköpfigem Vorstand.
- war die mit Abstand größte schwule Organisation in Münster und die einzige, bei der noch Leute aus Münsters erster Schwulengruppe (HSM, 1971, 2. Schwule Gruppe der Nachkriegszeit überhaupt) aktiv sind.
- hat zu den unterschiedlichsten Anlässen und Veranstaltungen jährlich mehrere hundert Besucher, die nicht Mitglieder des Vereins sind. Das Einzugsgebiet reicht bis ins Ruhrgebiet und in die Niederlande.
- arbeitete in seinen ersten Jahrzehnten für Emanzipation und gegen die Diskriminierung homosexueller Menschen.
- ist bis heute Begegungsstätte, Beratungszentrum und Selbsthilfeeinrichtung
- ist ein wichtiges Element der kulturellen Vielfalt der Stadt Münster.
- ist Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband.
- ist ein Verein, in dem durch ehrenamtliche Arbeit (nicht nur von Vereinsmitgliedern!) viele Angebote überhaupt erst realisiert werden konnten.
- war und ist auch ein Zuhause für nicht queere Selbsthilfegruppen.
Noch ein bisschen Historie?
Was leistete das KCM bisher? – Ein Blick zurück.
Das KCM arbeitet für die Emanzipation und gegen die Diskriminierung homosexueller Menschen, indem es Beratung anbietet, Begegnungsstätte ist, Selbsthilfe unterstützt, kulturelle Impulse setzt und Motor für soziale Veränderungen ist.
Zum Beratungsangebot gehörten die Coming-Out-Gruppen, das Aufklärungsproiekt “andersrum aufgeklärt” sowie individuelle Beratungen.
COMING OUT beginnt mit der – oft erschreckenden – Erkenntnis des eigenen “Andersseins” und führt über das (innere) Akzeptieren der Homosexualität zum offenen und selbstverständlichen Umgang damit. Coming-Out-Gruppen helfen Menschen aller Altersstufen – in Münster entsprechend der Bevölkerungsstruktur vor allem jungen Erwachsenen – beim Akzeptieren ihrer Homosexualität.
Im KCM nahmen eine unterschiedlich hohe Anzahl von Männer an diesen Gruppen teil, die unter Anleitung von einem Diplom Pädagogen etwa 15 Wochen dauern. Dazu gehört immer auch ein Beratungstermin bei der Aids-Hilfe.
Im AUFKLÄRUNGSPROJEKT “andersrum aufgeklärt” werden in Schulen, Jugendeinrichtungen, kirchlichen Jugendverbänden usw. Unterrichts-, Spiel- und Gesprächseinheiten durchgeführt. Das KCM leistet grundlegende Bildungsarbeit zu Toleranz und lebenskundlichen Fragen. Zentral ist die Botschaft, dass Sexualität nur ein winziger Ausschnitt von Homosexualität ist. Liebe und Gefühle stehen im Vordergrund, mit dem Ziel, die Selbstfindung zu erleichtern, Mut zu machen für einen eigenen Weg unabhängig von Rollenklischees, (gesellschaftlichen) Erwartungen und Vorurteilen. Das Projekt umfaßt außerdem die Fortbildung von Pädagog:innen, Sozialarbeiter:innen und anderen Multiplikator:innen.
Öffentlichkeitsarbeit des KCM
Die SITUATION HOMOSEXUELLER MENSCHEN wird sich nicht grundsätzlich verbessern, solange sie für die Öffentlichkeit “Exoten” bleiben. Einerseits ist das politische Klima in Münster sicherlich fortschrittlicher, die gesellschaftliche Situation Homosexueller offener als in anderen Städten.
Andererseits gibt es auch in Münster fast täglich Beispiele für die Diskriminierung Homosexueller, selten vorsätzlich oder böswillig, sehr oft jedoch gedankenlos oder selbstverständlich. Es reicht deshalb nicht aus, den homosexuellen Menschen zu helfen. Auch die Öffentlichkeit soll aufgeklärt werden. Hierzu arbeitet das KCM, teils in Kooperation mit anderen, auf verschiedenen Wegen.
Das Kulturangebot des KCM umfasst Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und vieles mehr. Besonderes Anliegen dieses Bereiches ist das “Anders Miteinander”: das bewußte Zueinanderführen heterosexueller und homosexueller Menschen durch Veranstaltungen, die alle interessieren. So wird ein Forum zum Abbau von Hemmschwellen und Vorurteilen durch Begegnungen geschaffen.
Als Teil der queeren Community beteiligt sich das KCM auch an dem in Münster stattfinden CSD und richtet Partys aus.
Dieses eher zurückhaltende Plakatmotiv wurde 1995 in 24 Bussen der Stadtwerke offiziell gegen Bezahlung ausgehängt. Von 140 Plakaten wurden rund 100 (!) Stück innerhalb kurzer Zeit mutwillig entfernt bzw. unkenntlich gemacht. Das geschah offensichtlich während der Betriebszeiten der Busse und damit vor den Augen zahlreicher Fahrgäste. Dieses Beispiel zeigt, daß zu tolerantem Umgang in Münster noch viel zu tun bleibt.
Das KCM war immer schon eine Begegnungsstätte
Mit Lesungen, Filmen, offenen Abenden und Feten bietet das KCM Veranstaltungen, die jedem offenstehen und gerne angenommen werden.
Die Besucherzahlen belegen nicht nur die Beliebtheit des Zentrums, sondern auch seine Notwendigkeit.
Immer noch können sich homosexuelle Menschen in der Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz, vor den Nachbarn,
teilweise sogar in der eigenen Familie nicht so verhalten, wie es ihrem Lebensgefühl entspricht.
Das KCM ist für sie ein notwendiger Fluchtpunkt. Hier können sie das tägliche Versteckspiel für einige Stunden unterbrechen,
Menschen in vergleichbaren Situationen kennenlernen und allmählich persönliche Handlungsalternativen entwickeln.
Das KCM als Selbsthilfeeinrichtung
Entstanden aus einer geradezu klassischen Selbsthilfebewegung, war das KCM stets ein Zentrum von und für Eigeninitiative und Selbsthilfegruppen geblieben.
Hier trafen sich u.a. die “Schwulen Väter” als auch die “Homosexuellen mit Suchterkrankungen”, ebenfalls bieten wir Raum und Platz für Trans*.
Manchmal arbeiten zwei bis drei Leute, manchmal rund 20 Teilnehmer seit Jahren konsequent und erfolgreich zusammen.
Ihnen allen bot das KCM einen äußeren Rahmen durch Räume, Infrastruktur, Finanzen und know how.